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"Auf den Spuren der Afrokubaner"

Von Gabriela Keller - Weser Kurier

Korallenrot prangt es auf einer Stoffbahn an der Wand. Ein Fabelwesen auf weißer Seide. Halb Mensch, halb Tier. Auf unverkennbar weiblichen Formen thront ein Ziegenkopf mit zwei Hörnern, aus den Rundungen der Büste ragen Fischmaul und Schwanzflosse. Prinzessin Sikan verwandelt sich. Auf der Seide windet sich die sich verformende Gestalt wie ein Fluss.

Der kubanische Maler Andrés Achi hat die afrikanische Sika-Legende künstlerisch umgesetzt. Beim Wasserschöpfen in einem Fluss in der nigerianischen Region Calabar soll der Prinzessin ein Heiliger Fisch in die Vase geschwommen sein. Weil Sika das Geheimnis nicht bewahren konnte, wurde sie geopfert. In Achis Bild steht dafür die Ziege als Opfer-Symbol. Das von einem Holzschnitt auf Seide gedruckte Bild, mit anderen Arbeiten Achis jetzt in der Vegesacker Galerie Havanna zu sehen, macht das große Thema des Malers deutlich: die aus unterschiedlichen Quellen gespeiste afrokubanische Religion und Kultur.

Universelle Symbolik

Der Katholizismus der ehemaligen spanischen Kolonialherren, die von afrikanischen Sklaven importierten Naturreligionen, Riten, Mythen und Götterwelten-'jeder brachte seine Religion mit ihren Symbolen mit. In Kuba vermischt sich alles miteinander', sagt Achi. Den Maler interessiert nach eigenen Worten nicht die Religion als solche, sondern die Religion als Brücke und Mittel der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen. Sein Gemälde 'Abasí - Enkalú', Christus und Kerze, bringt das auf den Punkt: Eine Hand hält den Gekreuzigten in die Höhe, eine andere eine brennende Kerze als universelles Lichtsymbol. In einer dritten Hand liegt Zuckerrohr, aus dem Saft für Speisen gepresst wird. Für den Künstler ist das Zuckerrohr ein Sinnbild für das gemeinsame Mahl, zu dem sich Menschen zusammenfinden.

Der kulturelle Einfluss von immer neuen und anderen Einwanderern in Kuba ist das beherrschende Thema in der Malerei von Andrés Achi. In 'Old Calabar', benannt nach der Provinz im Südosten Nigerias, greift er die afrikanische Immigration auf. Füße und Trommeln wirbeln auf der Leinwand durcheinander. Der Mensch ist physisch seiner Heimat entwurzelt, doch er hat ihre Kultur mit im Gepäck auf dem Weg in die Fremde, wo er Fuß zu fassen hofft.

In seinen Bildern verwendet Achi einen überschaubaren ikonografischen Zeichenkanon. Ziege, Fisch, Leopard und Krokodil tauchen neben menschlichen Silhouetten als grafische Elemente in der Malerei auf. Wiederkehrende Zeichen mit einer bestimmten Bedeutung. Der Künstler spricht von einer 'universellen Symbolik'. Der Fisch sei in vielen Religionen verbreitet. Das Krokodil steht als Sinnbild für Kraft, die Ziege ist Opfergabe. Bezüge zu animalistischen Naturreligionen werden sichtbar. Ein Bild ist der Meeresgöttin Yemaya gewidmet. 'Sie ist Teil einer afrikanischen Religion, die in Kuba praktiziert wird', erklärt der Maler. Auf leicht gewelltem Kartongrund fließen zarte blaue und violette Farbstreifen. Schemenhaft wie unter einer Wasseroberfläche sind Körperlinien und Füße zu erkennen.

In unterschiedlichen Techniken und mit gestalterischer Wandlungsfähigkeit setzt der Maler sein Thema um. Achis Kunst verbinde 'perfekte Handwerklichkeit mit viel Fantasie und Erfindungsgeist', meint Professor Hans-Joachim Manske. Der Direktor der Städtischen Galerie Bremen sprach zur Ausstellungseröffnung. Da gibt es zum einen eher gegenständliche Arbeiten. Am 'Anfang einer langen Reise' stehen Strichmännchen im gleichnamigen Bild an einem Fluss, der sich durch eine goldgelbe afrikanische Landschaft schlängelt. Ein Kontrast sind mit dem Spachtel gearbeitete kleinere Farbabstraktionen und das minimalistische Werk 'Die drei Steine'. Als bläulich-schwarze Vierecke gerahmt von gelben Halbmonden hat der Künstler sie auf einem flächigen, an Marmor erinnernden Farbgrund platziert. Das Bild nimmt Bezug auf die Zeremonie zur Bewirtung von Gästen zur Feier der Kommunion: 'Das Gefäß mit dem Essen wird zu diesem Anlass auf drei Steine gestellt', erläutert Achi.

Malerische Werke wechseln mit eher grafischen Bildern wie einer 2009 entstandenen Serie von Öl auf Papier. Die Prinzessin Sikan taucht hier als rätselhaftes Bildnis wieder auf. Ein anderes Werk stellt ihre Opferung dar. Eine neuere Serie mit Öl und Tinte auf Papier strotzt vor Farbigkeit. Zwischen die roten, blauen, gelben, grünen und violetten Flächen hat Achi seine Tiermotive und Körpersilhouetten mit filigranem Strich eingefügt. 'Mit den Farben will ich den Einfluss des Lichts auf die Landschaft wiedergeben', erklärt der Maler.

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GALERIE HAVANNA  | 0172 419 7252